Kräuterführungen im Ruhrgebiet

Kräutertour de Ruhr

Geschichten ...


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2 ) Sauer macht lustig!

Sauer macht lustig!

 

Essig pur und roh aus dem Wald? Ohne Ansetzen? Aber ja! Bei uns gibt es eine Pflanze, die ist so sauer wie Zitrone: Den Sauerklee.

Viele kennen ihn und denken „Ach, das ist doch dieser Glücksklee, den mir meine Mutter immer zu Silvester schenkt!“ Aber nein! Wer genau hinsieht, stellt fest, dass der Silvesterklee VIER  Blättchen hat. Der kommt ursprünglich aus Mexico und hat bei uns nur zu Silvester Tradition.

„Oxalis acetosella“ ist der stolze lateinische Name unseres einheimischen Schätzchens, was etwa so viel heißt wie „saurer Sauerklee“, und wenn man schon doppelt sauer heißt, muss man seinem Namen auch alle Ehre machen. Sollten Sie es erstaunlicherweise noch nie getan haben: Beißen Sie einfach einmal herzhaft hinein. Sie werden sich über den angenehmen Geschmack freuen, gleich ein zweites Blatt knabbern, Mann, Kind, Enkel zu einer sauren Mahlzeit einladen, völlig begeistert sein und Unmengen für Ihren Frühlingssalat sammeln wollen.

Er kann den Essig oder Zitronensaft im Salat ersetzen, wenn Sie einmal mitten in der Wildnis spontan in einer Vollmondnacht draußen eine Salatsauce ansetzen möchten … „Und woher das Öl nehmen?“, fragen Sie jetzt? Nun, nehmen Sie Bucheckern (bis zu 40 % Fett) oder Nachtkerzensamen als Fettzusatz oder Nüsse oder eben keins. Dafür haben Sie ja den Vollmond …

Wenn Sie wie ich zu den Ästheten gehören und sich beim Waldspaziergang so manches Mal fragen, ob dieser momentane Anblick – vom Feng-Shui aus gesehen – perfekt sei oder ob ein van Gogh oder Monet ihn so bezaubernd gefunden hätte, dass er gleich angefangen hätte, zu malen oder ob man hier – wie die Engländer – noch mit der Fingernagelschere ein Blättchen hätte wegnehmen müssen, um ein perfektes Bild zu schaffen, werden Sie sich das beim Sauerklee-Anblick NICHT fragen. Denn seine Erscheinung ist perfekt!

 

Seine ebenmäßigen weißen Blüten mit den lilafarbenen Streifen, die sie extra für die Bienen (und für uns Ästheten) in die Blüte gemalt haben, die gelben Staubblätter, die herrlichen dreizähligen Blätter:  Alles sieht einfach bezaubernd aus!

Wenn Sie die Blättchen einmal genau ansehen, werden Sie feststellen, dass sie perfekte Herzen darstellen! Sie sind nun nicht zum zupfen gedacht für das Orakel „Er liebe mich, er liebt mich nicht, …“ obwohl bei dreien sehr wohl zu bestimmen ist, mit welchem Spruch ich anfangen könnte … Vielleicht hilft es ja.

Wenn der Sauerklee im Wald reichlich blüht, wird es ein nasses Jahr, wenn nicht, wird es trocken. Alte Bauernregel. Also nicht nur als Liebes-, sondern auch noch als Wetterorakel zu gebrauchen.

Auch in andere Hinsicht erinnert mich der Klee an Regen. Ich mag Regen übrigens! So wie ich bei Trockenheit meinen Schirm zusammen klappe, so klappen die Sauerklee-Blätter bei Regen zu. An der Mittelrippe der Herzchen werden einfach beide Hälften zusammengefaltet.

„Sauer macht lustig“ denken Sie nun vielleicht oder „Hat die Autorin davon schon zu viel genascht?“ Nein! Würde ich niemals tun, denn allzu viel ist nicht gesund. Besonders nicht für Gichtpatienten und Nierenkranke. Der Name verrät uns, warum. Oxalis enthält Oxalsäure, welche mit Calcium zusammen in unserm Organismus zu Oxalat-Salz werden kann. Diese Kristalle können bei empfindlichen oder vorgeschädigten Patienten zu  Nierensteinen werden.

Aus meiner Zeit als MTA, als ich noch 100 Urine pro Tag untersuchen musste und immer hinterher das Urinsediment, also die festen Harnbestandteile, ansehen durfte, weiß ich noch, wie wunderschön Oxalsäure aussieht. Wie die Gizeh-Pyramide. Als durchsichtiger Kristall! Ich war immer begeistert, die Urheber eben dieses Urins weniger …

Die Oxalsäure wurde früher im Schwarzwald tatsächlich aus dem Sauerklee gewonnen. Man brauchte sie zum Bleichen oder als Fleckentferner.

Oxalsäure befindet sich auch in Spinat, Rhabarber, Sauerampfer. Also auch von denen darf man nur in angemessenen Mengen genießen.

Der Sauerklee ist fast das ganze Jahr im Wald zu finden: Seine Blättchen eignen sich für Salat, Limo, Kräuterquark, aufs Brot, in Smoothie … oder gepresst als Schmuck für eine Geburtstagskarte.

 

Das war nun das durch und durch poetische Kapitel für diese website :-) …